Zum Inhalt springen

Magazin für digitale Wertschöpfung in der Bau- und Immobilienbranche

BIM World MUNICH 2026: Zehn Jahre Digitalisierung der gebauten Welt

Zehn Jahre BIM World MUNICH: Am 24. und 25. November 2026 trifft sich die digitale Bau-, Immobilien- und Facility-Management-Branche in München. Mehr als 200 Aussteller und über 250 Referierende zeigen, wie BIM, KI, Digitale Zwillinge, Open BIM und vernetzte Gebäudetechnik Planung, Bau und Betrieb verändern. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie aus digitalen Einzelwerkzeugen durchgängige Prozesse über den gesamten Gebäudelebenszyklus werden.

01.09.2026 · 6 Min.

RM Rudolf Müller Events GmbH
Beitrag teilen

Als die BIM World MUNICH 2016 zum ersten Mal ihre Türen öffnete, stand Building Information Modeling als zunehmend standardisierte Methode für Planung und Bau im Mittelpunkt. Zehn Jahre hat sich das Themenfeld weit über BIM hinaus erweitert. Künstliche Intelligenz, Digitale Zwillinge, Nachhaltigkeit und resiliente Infrastrukturen sind Themen, an denen die Branche nicht vorbeikommt. Die zehnte Ausgabe der BIM World Munich bringt mehr als 200 Aussteller, rund 8.500 Fachbesucher:innen und über 250 Referierende aus den unterschiedlichsten Gewerken zusammen: Dazu gehören Softwareanbieter, Planungsbüros, Bauunternehmen, Immobilienwirtschaft, Betreiber, ebenso wie öffentliche Institutionen und Start-ups. Ein zweitägiger Kongress, offene Foren auf der Ausstellungsfläche, die BIM Town Innovation Area und die CAFM World bilden den Rahmen für das internationale Branchentreffen.

Für Christian Stammel ist das zehnjährige Bestehen deshalb mehr als ein Jubiläum. „Mit der 10. BIM World MUNICH feiern wir 2026 nicht nur einen besonderen Jahrestag, sondern auch zehn Jahre digitale Transformation in der Bau-, Immobilien- und Facility-Management-Branche“, sagt der Geschäftsführer der RM Rudolf Müller Events GmbH und Gründer der BIM World MUNICH im Interview mit Built4Tomorrow. Auf der Ausstellungsfläche spiegelt sich diese Transformation wider. Planungs- und Kollaborationsplattformen stehen neben Lösungen für Bauausführung, Datenmanagement, Facility Management, Smart Buildings und künstliche Intelligenz. Mehr denn je brauche es deshalb den Austausch zwischen den unterschiedlichen Disziplinen, so Stammel.

Sieben Bühnen, zahllose Perspektiven

Auch das Programm folgt diesem breiteren Blick auf den Lebenszyklus von Gebäuden und Infrastrukturen. Im Fokus stehen weniger einzelne Werkzeuge. Spannender wird die Frage, wie Systeme und Datenwelten zusammenspielen und wie Informationen über Projekt- und Unternehmensgrenzen hinweg nutzbar bleiben.

Auf insgesamt sieben Bühnen geht es um internationale Umsetzungen und Cases, konkrete Anwendungen, technologische Entwicklungen und aktuelle Branchenthemen. Die drei Kongressbühnen konzentrieren sich vor allem auf Best Practices und übergeordnete Fragestellungenr und um die digitale Transformation der Bau-, Immobilien- und Facility-Management-Branche. Die thematischen Panels greifen zentrale Herausforderungen auf. Unter BIM4Circular geht es um Kreislaufwirtschaft und die Frage, welche Informationen benötigt werden, damit Materialien und Produkte später wiederverwendet oder hochwertig recycelt werden können. BIM4FM nimmt den Übergang von Planung und Bau in den Gebäudebetrieb in den Blick. BIM4RealEstate beschäftigt sich mit digitalen Prozessen in der Immobilienwirtschaft, während BIM4Machines Maschinen, Automatisierung und neue Baustellenprozesse behandelt. BIM4Infrastructure richtet den Fokus auf Straßen, Schienen, Brücken und weitere öffentliche Infrastruktur.

Hinzu kommen die Beiträge der Executive Partner, die Themen wie Standardisierung, Effizienz, Datenverfügbarkeit und Nachhaltigkeit aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. 2026 gehören dazu ACCA Software, Autodesk, Bentley, buildingSMART Deutschland, Gstarsoft, Mo|u|Se, die Nemetschek Group, NOVA Building IT, Trimble und Würth. Auf den frei zugänglichen Vortragsstages innerhalb der Fachmesse stehen darüber hinaus praxisnahe Anwendungen und Produktlösungen der Aussteller im Vordergrund.

Die Vielzahl der Perspektiven zeigt, wie sehr sich die Diskussion verändert hat. Digitale Planung endet heute nicht mehr mit der Übergabe eines Modells. Informationen müssen in Ausschreibung und Bauausführung weiterverwendet, mit Termin- und Kostendaten verbunden und später in den Betrieb überführt werden. Dafür braucht es nicht nur Software, sondern gemeinsame Standards, definierte Prozesse und eine Datenstruktur, die über einzelne Projektphasen hinaus funktioniert.

Wenn BIM in den Betrieb übergeht

Wie stark sich der Blick inzwischen über Planung und Bau hinaus verschoben hat, zeigt die CAFM World. Die Satellitenveranstaltung widmet sich zum nunmehr vierten Mal dem digitalen Gebäudebetrieb und wurde 2026 aufgrund der gestiegenen Nachfrage nochmals flächenmäßig erweitert. Gemeinsam mit gefma und CAFM RING stehen dort Lösungen im Mittelpunkt, die Daten im laufenden Betrieb nutzbar machen. Dazu gehören klassische CAFM-Systeme ebenso wie Building Operating Systems, vernetzte Gebäudetechnik und KI-basierte Anwendungen.

Damit rückt eine Frage in den Vordergrund, die viele BIM-Projekte inzwischen weit über die Bauphase hinaus begleitet: Was passiert mit den Daten, wenn ein Gebäude fertiggestellt ist? Für Betreiber zählt nicht allein, ob ein digitales Modell vorhanden ist. Entscheidend ist, ob sich daraus Informationen für Wartung, Flächennutzung, Energieverbrauch oder technische Anlagen zuverlässig abrufen und aktuell halten lassen. Je stärker Gebäudetechnik, Cloud-Plattformen, Sensoren und Digitale Zwillinge miteinander kommunizieren, desto wichtiger wird auch ihre Absicherung. Die Vernetzung, die Informationen leichter verfügbar und Prozesse effizienter machen soll, schafft gleichzeitig neue Abhängigkeiten von Daten, Netzen und IT-Systemen.

Am 25. November liegt der Schwerpunkt auf dieser extrem sicherheitsrelevanten Dimension. Die CAFM World Breakout Session widmet sich dann gemeinsam mit dem Verband für Sicherheitstechnik den Kritischen Infrastrukturen. Dabei geht es um Sicherheit, Resilienz und den Schutz digital vernetzter Gebäude und Anlagen sowie um aktuelle Anforderungen im KRITIS-Umfeld.

Raum für neue Ideen

Einen Blick auf Technologien und Geschäftsmodelle von morgen, die sich gerade erst am Markt zu etablieren beginnen, bietet die BIM Town Innovation Area. Hier präsentieren Start-ups ihre Lösungen für Bau, Immobilienwirtschaft und Facility Management und treffen auf Unternehmen, potenzielle Kunden, Partner und Investoren.

Bei diesen jungen Unternehmen lässt sich beobachten, wie weit sich das Feld inzwischen geöffnet hat. Digitale Innovation im Bau bedeutet längst nicht mehr nur neue Modellierungssoftware. Automatisierte Datenerfassung, KI-gestützte Analysen, Robotik, digitale Baustellenprozesse, Energiemanagement oder Lösungen für Bestandsgebäude gehören mittlerweile ebenso dazu. Die Grenzen zwischen Planung, Bau, Immobilienwirtschaft und Betrieb werden dadurch zunehmend durchlässig.

Ausgewählte junge Unternehmen stellen ihre Technologien einer Jury und einem internationalen Fachpublikum vor. Prämiert werden die besten davon mit dem Smart Building / Smart Construction Innovation World Cup®. Das Finale mit anschließender Preisverleihung findet am 25. November auf der Congress Main Stage statt.

Polen bringt eine europäische Perspektive ein

Mit Teilnehmenden aus mehr als 80 Ländern richtet sich die BIM World MUNICH 2026 an ein breites internationales Publikum. Offizielles Partnerland der Messe ist in diesem Jahr Polen. Polen gilt als treibende Kraft für die europäische BIM-Community. Das Land hat internationale Standards wie die ISO 19650 früh aufgegriffen und dabei nicht nur auf formale Vorgaben geschaut, sondern vor allem darauf, wie sich BIM in der Praxis verankern lässt. Entsprechend versteht Polen BIM weniger als Softwarethema, sondern als umfassenden Transformationsprozess für Planung, Bau und Betrieb. Dabei geht es nicht nur um effizientere Abläufe und geringere Kosten, sondern auch um Lebenszyklusanalysen, ein besseres Ressourcenmanagement, Open BIM und CAFM. Getragen wird diese Entwicklung von einer engen Zusammenarbeit zwischen Ministerien, Forschung, Verbänden und Unternehmen. Christian Stammel sieht Polen als „BIM-Vorzeigeland. Gemeinsam können wir neue Impulse für die Weiterentwicklung von BIM und CAFM in Europa zu setzen“, sagt der RM Rudolf Müller Events GmbH. Der Blick über die Grenze ist auch deshalb interessant, weil viele Herausforderungen der Digitalisierung europaweit ähnlich sind, ihre Umsetzung jedoch unter unterschiedlichen Marktbedingungen und regulatorischen Rahmenbedingungen stattfindet.

Vom Modell zur durchgängigen Datenkette

Zehn Jahre nach dem Start der BIM World MUNICH hat sich die Debatte verschoben. BIM selbst muss einem Fachpublikum kaum noch erklärt werden. Die spannendere Frage lautet heute: Was passiert mit den Daten danach?

Die nächste Entwicklungsstufe entscheidet sich deshalb nicht am besseren 3D-Modell. Entscheidend wird, ob Informationen über Jahre hinweg verlässlich, aktuell und systemübergreifend nutzbar bleiben. Mit dem Einzug von KI gewinnt das zusätzlich an Gewicht: Sie kann Prozesse beschleunigen und automatisieren, aber nur auf Basis belastbarer Daten. Wo heute noch Medienbrüche, proprietäre Systeme und unklare Zuständigkeiten den Informationsfluss bremsen, werden sie morgen zum limitierenden Faktor. Die nächsten Jahre gehören deshalb nicht dem einzelnen digitalen Werkzeug, sondern der durchgängigen Datenkette. Wie weit die Branche auf diesem Weg gekommen ist, wird sich sicher nicht erst beim 20-jährigen Jubiläum der BIM World MUNICH zeigen.