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TechnologieInterview

„Die Krux liegt meist in der Modellierung.“

Wie wird aus einem BIM-Modell eine verlässliche Grundlage für Mengen, Kosten und Leistungsverzeichnisse? Im Ask-the-Expert-Interview erklärt Felix Grau von NOVA BUILDING IT, warum IFC-Austausch und automatisierte Mengenermittlung heute bereits gut funktionieren können – und weshalb der Erfolg in der Praxis vor allem von klaren Modellierungsvorgaben, pragmatischen Prozessen und einer engeren Verbindung von Planung, Kostenschätzung und Ausschreibung abhängt.

16.08.2026 · 5 Min.

Nova Building IT
Felix Grau ist Gründer und Gesellschafter | NOVA Building IT GmbH
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B4T: Ein BIM-Modell ist mehr als eine digitale 3D-Zeichnung. Es kann auch Informationen zu Bauteilen enthalten. Ist das denn eine belastbare Grundlage für Mengen und Kosten im Rahmen einer Ausschreibung?

Felix Grau: Absolut! Im BIM-zu-AVA-Prozess nutzen wir die geometrischen und technischen Informationen, um das Projekt im 3D-Viewer entsprechend zu visualisieren und zu verarbeiten. Die technischen Informationen bilden dann die Grundlage für ein sauberes Baukostenmanagement. Je besser die Bauteile beschrieben sind, desto einfacher lassen sich Mengen und Kosten automatisiert zuordnen. Bei einer Wand kann zum Beispiel relevant sein, ob sie tragend ist, aus welchem Material oder welchen Materialschichten sie besteht und ob sie innen oder außen liegt. Solche Parameter lassen sich über intelligente Filter auswerten. Dabei braucht es in der Regel gar nicht viele Informationen. Oft reichen wenige, aber die richtigen Angaben. Zudem gilt: Je besser und konsistenter die Informationen gepflegt sind, desto mehr lässt sich daraus ableiten.

B4T: Damit diese Informationen auch in anderen Programmen genutzt werden können, werden BIM-Modelle häufig über IFC ausgetauscht Wie zuverlässig funktioniert dieser Austausch heute in der Praxis?

Felix Grau: Der IFC-Austausch funktioniert aus unserer Sicht in vielen Fällen sehr zuverlässig. Die Mengen für Kostenplanung, Kostenberechnung, Ausschreibung und Abrechnung von Bauleistungen ergeben sich aus den Abmessungen der Bauteile. Diese Abmessungen schreiben die CAD-Systeme heute bereits zuverlässig in die IFC-Datei.  So lässt sich etwa die Gesamtfläche aller Innenwände berechnen. In Systemen wie NOVA AVA werden diese Daten anschließend ausgewertet und bemustert. In der Praxis genügt es heute meist, die richtigen Einstellungen bei der Modellierung in CAD vorzunehmen. Hierfür bieten wir gemeinsam mit unseren CAD-Partnern kurze und verständliche Leitfäden an.

„Leitfrage sollte sein: Welche wenigen wichtigen Modellierungsvorgaben und Attribute braucht es, um gute Modelldaten für Leistungsverzeichnis und Baudaten zu bekommen?“

Felix Grau

B4T: Das klingt so, als seien die technischen Voraussetzungen heute weitgehend gelöst. Wo treten in der Praxis dennoch die häufigsten Fehler auf?

Felix Grau: Der Informationsgehalt von IFC-Dateien ist in der Tat ausreichend. Die unterschiedlichen BIM-Autorentools schreiben zwar etwas unterschiedliche IFC-„Dialekte“, damit kommt man in der Praxis aber sehr gut zurecht. Wir sehen auch, dass die Qualität von BIM- und IFC-Modellen bei immer mehr Planungs- und Architektur- Büros deutlich besser wird. Die Krux liegt meist in der Modellierung. Oft arbeiten die Anwender nicht konsistent, das heißt: Gleiche Bauteile werden in einem Projekt nicht gleich modelliert und nicht gleich attributiert. In solchen Fällen fehlt es meist an einem gesunden Maß an Pragmatismus. Leitfrage sollte sein: „Welche wenigen wichtigen Modellierungsvorgaben und Attribute braucht es, um gute Modelldaten für Leistungsverzeichnis und Baudaten zu bekommen?“ 

B4T: Bauprojekte verändern sich laufend: Fachmodelle werden angepasst, Planungsstände überarbeitet, Mengen ändern sich. Wie lässt sich verhindern, dass Kostenplanung und Leistungsverzeichnisse schon nach kurzer Zeit veraltet sind?

Felix Grau: Die Verbindung zwischen den Modellen und den daraus abgeleiteten Mengen- und Kostenermittlungen ist über eindeutige Schlüssel sichergestellt. Liegt eine neue Modellversion vor, aktualisieren sich die Kosten direkt auf Basis der Änderungen. Eine wichtige Rolle spielen hier insbesondere die sogenannten Kostenelemente. Das sind „Pakete“, die alle Leistungen zur Bemusterung von Bauteilen enthalten.  Ändert sich ein Bauteil, wird diese Änderung erkannt und die Kosten können entsprechend aktualisiert werden.

„Viele denken noch immer, BIM sei so kompliziert. Muss es aber nicht sein.“

Felix Grau

B4T: Technisch ist also vieles möglich. Wo liegt heute noch die größte Lücke zwischen dem technischen BIM-Modell und der kaufmännischen Realität eines Bauprojekts.

Felix Grau: Die größte Lücke entsteht dort, wo beide Seiten, also BIM-Modell und kaufmännische Nutzung, nicht ganzheitlich gedacht werden. Das grundsätzliche Wissen, wie man Informationen aus dem BIM-Modell mit Kosten verbindet, ist heute technisch verfügbar. Dabei muss ja keinesfalls alles bis ins kleinste Detail modelliert werden. Ein einfaches Beispiel: Die Kosten einer Fußleiste lassen sich über die Abmessungen des Raumes und seiner Türöffnungen automatisiert berechnen. Viele denken noch immer, BIM sei siokompliziert. Muss es aber nicht sein. Aus meiner Sicht ist das also in erster Linie eine organisatorische Frage. Viele denken anscheinend „Zeichnen“, „Kostenschätzung“ und „Ausschreiben“ nicht vernetzt genug. genau das lässt sich aber verbessern.

B4T: Haben Sie hier einen konkreten Tipp?

Felix Grau: Einige unserer Kunden haben beim Entwickeln ihrer Arbeitsprozesse sehr gute Erfahrungen damit gemacht, gedanklich nicht bei der Modellierung anzufangen, sondern bei ihren Stamm-Leistungsverzeichnissen. Sie schauen sich also ihre Leistungspositionen und Leistungsbeschreibungen an und fragen dann rückwärts in Richtung BIM-Modellierung: Was muss ich möglichst einfach modellieren und attribuieren, um aus dem BIM-Modell zu diesen Positionen und Beschreibungen zu kommen? Also vom gewünschten Ergebnis her zu denken, dem Leistungsverzeichnis. Es geht ja nicht darum, ein Modell mit möglichst vielen Informationen zu befrachten, sondern genau die Informationen zu definieren, die für den konkreten AVA-Prozess wirklich gebraucht werden. 

B4T: Wie weit lässt sich dieser Prozess automatisieren? Können Leistungsverzeichnisse heute bereits aus dem BIM-Modell heraus entstehen?

Felix Grau: Ja, die automatisierte LV-Erstellung aus dem 3D-Modell ist bereits möglich. Der fachlich-menschliche Input liegt aktuell bei der Bewertung der Leistungen, die ausgeführt werden müssen, um das Projekt zu realisieren. Die meisten unserer Kunden verfügen über solide eigene Preisdatenbanken oder nutzen Tools wie STLB-Bau und DBD-BIM. Damit ist die Brücke zwischen Modell, Leistungsbeschreibung und Kosten bereits geschlagen. Auch hier wird es zukünftig natürlich weitere Entwicklungen geben. Wir arbeiten aktuell an der Implementierung von KI-gestützten Features für die BIM-basierten Mengen- und Kostenermittlung. Am Ende müssen die Ergebnisse aber weiterhin vom Planer validiert werden.

B4T: Wenn das bereits so weit geht: Kann ein BIM-Modell künftig schon zur zentralen Quelle für die gesamte wirtschaftliche Steuerung eines Bauprojekts werden – von der ersten Kostenschätzung bis zur Schlussrechnung?

Felix Grau: Absolut. Und nicht erst künftig. Heute.

B4T: Gleichzeitig ist BIM-zu-AVA in der Praxis noch nicht überall Standard. Woran liegt das?

Felix Grau: Wir maßen uns nicht an, die Vielzahl von BIM-Anwendungsfacetten zu überblicken und gar zu beurteilen. Wenn es um BIM zu AVA geht, sehen wir häufig, dass BIM zu kompliziert angegangen wird. Oft wird zu viel modelliert und mit zu vielen Informationen überfrachtet. All das konsistent zu halten, ist schwierig. Das muss auch nicht sein. Viele Arbeitsschritte können Kosten- und Ausschreibungsfachleute in der AVA-Software einfacher und schneller erledigen – und zwar innerhalb eines BIM-zu-AVA-Prozesses, bei dem sie das visualisierte Modell immer im Blick behalten.